Warum Start-ups die Nase vorn haben

Warum Start-ups die Nase vorn haben

Digitale Transformation können Start-ups besser

Digitale Transformation können Start-ups prinzipiell besser als Großunternehmen, meint Lars Zimmermann, CEO der hy! GmbH

 

Warum Start-ups die Nase vorn haben

Lars ZImmermann, CEO der hy! GmbH (Foto: Jens Oellermann)

Herr Zimmermann, in Vorträgen warnen Sie, dass deutsche Unternehmen die digitale Transformation verpassen. Ist die Gefahr so groß?

Transformation, die auf neue Technologien reagiert, schafft nur, wer sie wirklich will. Wer mit dem Bestehenden zufrieden ist, engagiert sich nicht für Veränderung. Das ist die Situation in vielen, vor allem großen Unternehmen in Deutschland. Und das ist gefährlich.

Was verstehen Sie denn unter Veränderungsbereitschaft?

Ein gutes Beispiel dafür ist das iPhone. Mit dieser Innovation hat Apple sein damaliges Erfolgsprodukt iPod im Prinzip überflüssig gemacht. So etwas würde ein traditionelles Unternehmen nie tun.

Fehlt der Mut?

Vielen geht es nur um die Optimierung oder Digitalisierung bestehender Produkte. So war und ist die deutsche Wirtschaft bis heute sehr erfolgreich. Aber die Zeiten ändern sich – zum Beispiel in der Finanz- und Versicherungsbranche: Beim Start-up N26 können Kunden Überweisungen von einem Girokonto auf ein anderes in Echtzeit vornehmen und das Kontoper Smartphone verwalten. So hat das Start-up innerhalb von eineinhalb Jahren 200 000 Kunden gewonnen.

Was genau können Großunternehmen von Start-ups lernen?

Was man von wem lernen kann, hängt immer vom Unternehmen und seiner Marktposition ab: Welche Technologien verändern Unternehmen und Geschäftsmodell? Welche neuen Geschäftsmodellchancen gibt es in diesem Umfeld? Welche Skills sind dafür erforderlich? Auf dieser Basis kann man sich gezielt mit passenden Partnern in der Start-up-Szene vernetzen. Und wenn dann große Unternehmen von kleinen Start-ups umgeben sind, entsteht automatisch der Druck, sich zu verändern. Ein solches „Ökosystem“ aufzubauen, das ist im Technologiezeitalter der Erfolgsfaktor.

Was machen Start-ups anders?

Wenn man erfolgreiche Start-ups analysiert, stellt man Gemeinsamkeiten fest, die sie von Großunternehmen unterscheiden:

  1. Sie denken in Geschäftsmodellen und nicht in Produktgruppen. Da wird ausprobiert und auch mal etwas auf den Markt gebracht, das noch nicht perfekt ist.
  2. Sie organisieren sich in marktnahen Plattformen oder Netzwerken anstelle von Hierarchien und Abteilungen.
  3. Sie entkoppeln Wertschöpfungsketten und definieren eigene Geschäftsmodelle.
  4. In der Forschung beschleunigen Start-ups die Entwicklung durch offene Schnittstellen und den Austausch mit anderen Marktteilnehmern.
  5. Start-up-Mitarbeiter besitzen Ökosystem-Kompetenz.
  6. Sie vernetzen sich selbstständig und gehen dahin, wo neue Technologien vorgestellt und diskutiert werden.
  7. Und schließlich investieren Start-ups vorrangig in Veränderung und nicht in das Bestehende.

Diese Liste ist nicht vollständig, aber sie liefert gute Gründe, sich mit den Start-ups in seinem Marktumfeld zu beschäftigen. Wichtig dabei: Natürlich funktioniert das alles nur, wenn der CEO seine Führungsrolle in der Transformation ausfüllt.


Zur Person: Lars Zimmermann ist CEO der hy! GmbH, einer Beteiligung der Axel Springer SE. Als eines der großen internationalen Digitalnetzwerke unterstützt hy! Unternehmen bei der digitalen und technologie getriebenen Transformation.


Dieses Interview erschien in der direkt informiert 01/2017. Weitere Artikel aus der Ausgabe lesen Sie hier: direkt informiert 01/2017, Schwerpunkt: Orientierung