Mut zur digitalen Transformation

“Digitalisierung findet überall im Konzern statt“

Mut zeichnet erfolgreiche Unternehmer ebenso aus wie Entdecker, Eroberer und Erfinder. Doch wie mutig begegnen Unternehmen der digitalen Transformation? Gelungene Beispiele wie die Digital Booster Teams der AXA Tech sind noch selten, aber sie zeigen, wie es geht.

Bei der Digitalisierung erlebe ich in Deutschland vor allem Angst.“ Der das sagt, weiß wovon er spricht: Tim Cole, Internet-Publizist und Autor des Sachbuch-Bestsellers „Digitale Transformation: Warum die deutsche Wirtschaft gerade die digitale Zukunft verschläft und was jetzt getan werden muss!“, begleitet die digitale Revolution des Internets und ihre Folgen seit mehr als 20 Jahren ebenso kritisch wie kundig. Er sagt: „Diese ‚German Angst’ ist inzwischen auch in Amerika zum Inbegriff einer dumpfen Furcht vor Veränderung, vor der Zukunft und dem Fremden geworden.“ Fatal daran ist, dass die Angst – jedenfalls in den Chefetagen der Unternehmen – vor allem lähmt. Denn der deutsche Manager an sich, so Cole, hat mehr als sein amerikanischer, britischer oder französischer Kollege Angst davor, eine falsche Entscheidung zu treffen. Und trifft deswegen notfalls keine, um nicht mit einer falschen erwischt zu werden.

„Wenn man sich anschaut, wie erfolgreich deutsche Unternehmen in den letzten dreißig Jahren waren und bis heute sind, ist es verständlich, mit neuen Themen und den dafür nötigen Veränderungen besonnen umzugehen“, sagt Cole. Aber das dürfe nicht dazu führen, dass Unternehmen die Chance der digitalen Transformation verschlafen. Cole rät: „Geschwindigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn die Planungen für ein Projekt zur digitalen Transformation länger als drei Monate dauern, dann sind die angenommenen Rahmenbedingungen schon bei Projektbeginn überholt.“

Mission possible: Services schneller integrieren

Doch wie können bestehende Organisationen das hohe Tempo der digitalen Transformation gehen? Die AXA Technology Service GmbH (AXA Tech), der IT-Dienstleister der AXA Versicherung, hat zu diesem Zweck einen „Digital Booster“ implementiert. Dessen Mission formuliert Ralf Oestereich, Geschäftsführer der AXA Tech Deutschland, so: „Die Aufgabe des Digital Boosters besteht darin, digitale Services schneller in die Welt der AXA Versicherung zu integrieren.“

Stephan Pawlowsky, Mitgründer des Digital Booster Teams in Köln (Foto: AXA)

Ralf Oestereich, Geschäftsführer der AXA Tech Deutschland (Foto: AXA)

Die Stellen für das Booster-Team der AXA wurden offiziell ausgeschrieben. Für Stephan Pawlowsky, Mitgründer des Digital Booster Teams in Köln, und seine Kollegen bedeutete das zunächst einmal ganz persönlich, die Sicherheit des gewohnten Arbeitsplatzes aufzugeben und sich auf ein Experiment einzulassen. Doch der Reiz des Neuen überwog. „Und das Risiko, mit der Arbeit zu beginnen, bevor der Umfang des Projekts geklärt ist, wird von IT und Fachbereichen gemeinsam getragen“, erklärt Pawlowsky. „Natürlich gibt es auch hier eine Budget-Kontrolle, aber es muss nicht das komplette Projekt durchkalkuliert sein, bevor die erste Zeile Code entsteht, wie das in klassischen Projekten üblich ist.“


So arbeitet der Digital Booster bei AXA Tech

Die Digitalisierung wird zu einer fundamentalen Veränderung des Geschäftsmodells führen. Grundlegend neue, einfachere und direktere Kundenbeziehungen werden möglich – und, aufgrund der sich ändernden Kundenanforderungen, auch nötig. Somit entstehen spannende Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Neugestaltung von Kundeninteraktion über die Automatisierung von Prozessen bis hin zu der Frage, wie wir unternehmensintern zukünftig vernetzt zusammenarbeiten. Speziell für die AXA Tech bedeutet das: Sie muss sich vom klassischen Rechenzentrumsbetreiber zum Anbieter von und Berater für Cloudlösungen wandeln. Dabei arbeitet die Digital Booster Community als Keimzelle für die Transformation der AXA Tech nach drei Grundprinzipien:

  1. Geschwindigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Das gilt sowohl beim Treffen von Entscheidungen als auch bei der Bereitstellung neuer Services für die Kunden.
  2. Projektteams arbeiten mit schlanker Organisation und nutzen alternative Projektmethoden und -techniken wie Agile, Scrum, Sprints und DevOps.
  3. Der Digital Booster finanziert sich ausschließlich über digitale Projekte (inklusive Cloud, Big Data, Mobile Apps, Portale).

Das vielleicht wichtigste Merkmal der Digital Booster Teams ist ihre interdisziplinäre Zusammensetzung: Experten aus IT-Entwicklung und IT-Betrieb arbeiten in einem Team mit Fachleuten aus den Geschäftsbereichen in sogenannten Product Teams zusammen. Ein solches Product Team kümmert sich beispielsweise um die Bereitstellung von Public-Cloud-Services über Plattformen wie Azure oder AWS. Dabei unterstützt die direkt gruppe die Integration neuer Services wie etwa der Anwendungsentwicklungsplattform OpenShift auf Microsoft Azure. Andere Teams sind auf private Cloud-Services oder Big Data fokussiert. Prominentes Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Product Teams bei AXA ist die Begleit-App WayGuard, die breite Medienresonanz fand und gerade erst zur Sicherheits-App des Jahres 2016 gewählt wurde.

Mit Apps wie „WayGuard“ etabliert die AXA neue Geschäftsmodelle (Foto: AXA)

Mit WayGuard können sich Menschen durch eine professionelle Leitstelle unterwegs begleiten lassen. Zum Beispiel dann, wenn der Heimweg abends durch eine dunkle Straße oder einen menschenleeren Park führt. Wird die Begleitung in der App gestartet, ortet diese die genaue Position des Users und übermittelt sie in Echtzeit verschlüsselt an die ISO-zertifizierte Leitstelle, die im Fall der Fälle gezielt professionelle Hilfe organisiert. Wenn gewünscht, kann sich der User über die App auch mit einem privaten Begleiter aus dem Freundes- oder Familienkreis verbinden, der den genauen Aufenthaltsort ebenfalls sieht.

Entwickelt hat die WayGuard-App das zur AXA Deutschland gehörende Team „Transactional Business“, das mit „cleverPARKEN“ bereits eine App zur Unterstützung der Parkplatzsuche in Innenstädten auf den Markt gebracht hat. Beispiele wie diese zeigen, wie sich das klassische Versicherungsgeschäft und insbesondere die Rolle des internen IT-Dienstleisters AXA Tech durch die digitale Transformation verändern, so Stephan Pawlowsky: „Hatten wir früher die komplette Infrastruktur im eigenen Keller, so schalten wir heute immer mehr Services unterschiedlicher Anbieter zusammen – bis hin zu Infrastructure as Code.“ Ein wichtiger Teil der Arbeit des Digital Boosters besteht deshalb in der Tätigkeit als Cloud Broker. Dazu gehören neben der strategischen Beratung von Fachabteilungen, dem Umgang mit Anbietern, der Integration und dem Betrieb von Cloud-Services inklusive Sicherheit und Datenschutz auch die Beschaffung und Abrechnung von Leistungen.

Großen Wert legt AXA auf die internationale Vernetzung der Digital Booster Community. Sie umfasst 70 Vollzeitstellen in weltweit verteilten Teams mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die fünf Mitarbeiter in Köln beispielsweise verfügen über spezielles Fachwissen in Agile-, DevOps-, Cloud- sowie in Datenschutz- und Verschlüsselungsfragen. Telefonkonferenzen, Daily StandUps, gemeinsam genutzte Wissensspeicher und zweimal jährlich stattfindende Treffen der Digital Booster Community unterstützen den Informationsaustausch über Länder- und Fachbereichsgrenzen hinweg.

Mitarbeiter mit neuen Ideen finden

Als „Königsweg“ der digitalen Transformation sieht Ralf Oestereich den Digital Booster bei AXA jedoch nicht: „Er ist ein wichtiges Instrument zur Umsetzung der digitalen Transformation innerhalb der Organisation. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Maßnahmen.“ „Digitalisierung findet überall im Konzern statt – alle Bereiche und Funktionen fragen sich, wie sie die neuen Technologien und damit verbundenen Geschäftsoptionen für AXA erfolgreich nutzen können“, so Anja Kroll, Sprecherin der AXA Versicherung.

Tim Cole: Für die digitale Transformation müssen Unternehmen sich neu erfinden (Foto: Tim Cole)

Tim Cole: Für die digitale Transformation müssen Unternehmen sich neu erfinden (Foto: Tim Cole)

Tim Cole rät: „Für die digitale Transformation müssen Unternehmen sich neu erfinden. Bewährt hat sich dabei der Ansatz, selbst auf dem Start-up-Markt aktiv zu werden und auszugründen.“ Ansonsten, so Cole, gehe es vor allem darum, Leute zu finden, die nicht von der eigenen Unternehmenskultur geprägt sind und neue Ideen mitbringen.


Über AXA Tech

Die AXA Technology Services als klassischer Infrastrukturdienstleister der AXA Gruppe beschäftigt weltweit ca. 3500 Mitarbeiter, davon ca. 300 in Deutschland. Der AXA Konzern zählt zu den führenden Versicherungs- und Finanzdienstleistungsgruppen in Deutschland. Das Unternehmen bietet ganzheitliche Lösungen in den Bereichen private und betriebliche Vorsorge, Krankenversicherungen, Schaden- und Unfallversicherungen sowie Vermögensmanagement an. Alles Denken und Handeln des Unternehmens geht vom Kunden und seinen Bedürfnissen aus.


Buchtipp:
Tim Cole: „Digitale Transformation: Warum die deutsche Wirtschaft gerade die digitale Zukunft verschläft und was jetzt getan werden muss!“
211 Seiten, Vahlen Verlag, 2015, ISBN 3800650436


Dieser Artikel erschien in der direkt informiert 04/2016. Weitere Artikel aus der Ausgabe lesen Sie hier: direkt informiert 04/2016, Schwerpunkt: Mut

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