Gothaer nimmt Speed auf

Integrationsplattform als Fundament

„Wir fliegen von A nach B und bauen das Flugzeug während des Flugs permanent um.“ Mit dieser Metapher bringt Ralf Hörnig den Weg der Gothaer Versicherung in die Cloud auf den Punkt. Experten der direkt gruppe haben den Start mit vorbereitet und sind als Flugbegleiter an Bord.

Ralf Hörnig ist seit zehn Jahren bei der Gothaer Systems tätig, der ITK-Organisation der Gothaer Versicherung. In der Rolle des Bereichsleiters IT- Betriebssteuerung und Infrastrukturmanagement verantwortet er den Cloud-Umbau. Konkret heißt das für ihn: „Wir schaffen eine neue Infrastruktur und Anwendungsplattform, auf der wir für unsere mehr als 8000 User künftig ein breites Spektrum an IT-Services anbieten können.“ Unter anderem sind das: Gängige  Versicherungsfachanwendungen etwa zur Bestands- und Schadenverarbeitung, mobile Lösungen, Cloud-Lösungen und künftig vermehrt Versicherungs-Apps oder Angebote für Mikro-Versicherungen.

 

Ralf Hörnig steuert den Weg in die Cloud

Ralf Hörnig, Bereichsleiter IT-Betriebssteuerung, Gothaer Systems GmbH (Foto: Gothaer Systems)

„Klar, wollen wir IT-Kosten senken, aber das ist nicht das alleinige Argument“, führt er aus. Es gehe vielmehr um Elastizität, um rasch auf Änderungen reagieren können. Wir wollen Skalierbarkeit und nur für die Rechenleistung zahlen, die wir verbrauchen. Und wir wollen Services, die wir je nach Bedarf hinzuschalten und wieder kündigen können.“ Anwendungen aus der Cloud könnten das bieten, aber man müsse die Umsetzung sehr differenziert betrachten, so seine Erfahrungen.

„Wir haben keine grüne Wiese, auf der wir neu bauen können“, führt Hörnig aus. So rechnet der Versicherer zum Beispiel für den z/OS-Mainframe mit einer sehr langen Ablösezeit. „So lange müssen die Legacy-Systeme integriert werden.“ Nicht an allen Stellen, aber immer dort, wo Prozesse gleichzeitig Informationen aus der Cloud und von den bestehenden IT-Systemen benötigen, um reibungslos zu laufen.

Leistungen aus beiden Welten berücksichtigen

Vor dem Take-off hat er mit Unterstützung der Berater der direkt gruppe einen Cloud-Readiness-Check absolviert. Dabei zeigte sich, dass die bestehenden IT-Systeme ein Mindestmaß an Standardisierung erreicht haben müssen, bevor man sich auf den Weg in die Cloud macht. „Mit Lösungen aus der Cloud holen wir uns schrittweise eine zweite Betriebsform ins Haus, die wir mit der bisherigen, etwa dem eigenen Rechenzentrum, verknüpfen müssen.“ Da dem User künftig Services aus beiden Welten zur Verfügung stehen, müsse zudem eine Möglichkeit zur Abrechnung geschaffen werden, die die Leistungen aus beiden Welten berücksichtigt. „Das alles sind Punkte, die man beim Start nicht sofort auf dem Radar hat.“

„Bevor Speed aufgenommen werden kann, bevor mehr Elastizität vorhanden ist, war uns schnell klar, dass wir eine Integrationsplattform schaffen müssen“, erläutert Ralf Hörnig. Ansonsten sei die Gefahr groß, Insellösungen zu schaffen, warnt er.

Keine Lösung von der Stange

Das Projekt nimmt Flughöhe auf, und es zeigte sich: Die eine technische Integrationsplattform gibt es nicht. „Von der Stange gibt es da nichts. Die Anbieter stellen eher Einzelbausteine zur Verfügung, die wir dann orchestrieren“, weiß Hörnig. Typische Beispiele sind die Anmeldungen an Systemen nebst Zugangsauthentifikation, ob im Active Directory oder über LDAP oder auch die Datensicherung. Diese Querschnittfunktionen müssten für den User über beide Systemwelten – Cloud und In-House – aus „einem Guss sein“. „Es ist sinnlos, wenn wir auf der einen Seite dem User dank Cloud zwar rasch Funktionen bereitstellen können, er sich aber an zwei Systemen anmelden muss, um auf seine benötigten Daten zugreifen zu können.“

Neben der Integration auf technischer Ebene etwa über APIs sind vor allem auch durchgängige Geschäftsprozesse zu schaffen. Abrechnung ist das eine, aber auch die vielen Fachanwendungen sind zu berücksichtigen. „Andersherum können Änderungen an betrieblichen Abläufen und Fachprozessen einen Change an Softwarekomponenten nach sich ziehen, die in der Cloud laufen oder on Premise installiert sind“, erklärt Folkert Jung, Executive Consultant der direkt gruppe und Berater im Gothaer-Projekt.

Geschmeidige Services bieten

Ein weiterer Komplexitätsgrad kommt hinzu: Integrieren, um dem Anwender geschmeidige Services bieten zu können, aber bitte nicht zu starr. Denn ein Anbieterwechsel, eine Änderung am Prozess, neue rechtliche Vorschriften benötigen Flexibilität für Veränderung und Anpassung. Ralf Hörnig und Folkert Jung haben das in der Gothaer-Integrationsplattform berücksichtigt. „Unsere Design-Prinzipien sehen vor, die Fertigungstiefe der eigenen IT zu reduzieren und gleichzeitig die umfassende Kopplung von Systemen zu vermeiden.“

„Implementierungen sind häufig aufwändig und zeitintensiv. Gleichzeitig entwickeln die Hersteller in immer schnelleren Zyklen neue Module“, sagt Hörnig. Hier sei es relevant, die Nutzenversprechungen zu prüfen und schnell Lösungen adaptieren zu können. „Das geht nur, wenn die Austauschbarkeit von Komponenten und Lösungen ermöglicht wird.“

Im ersten Schritt setzt die Gothaer nach einer umfassen Provider-Auswahl auf die „Azure“-Cloud-Angebote aus dem Hause Microsoft. „Mittelfristig werden wir mindestens einen zweiten Provider wählen, allein schon um Konkurrenz zu erzeugen“, erklärt Hörnig. Für ihn ist „Speed“ essentiell, um künftig enger mit der Fachabteilung zusammenarbeiten zu können. Etwa bei der Entwicklung von Versicherungs-Apps für Endkunden. „Versicherungen werden oder sind Teil des digitalen Lebens. Dem müssen wir uns stellen.“


Ralf Hörnig

Ralf Hörnig ist seit über 15 Jahren in der IT-Branche tätig. Bei der Gothaer Systems GmbH ist er verantwortlich für die Bereiche IT-Infrastruktur und IT-Betriebssteuerung.


Dieser Projektbericht erschien in der direkt informiert 03/2016. Weitere Artikel aus der Ausgabe lesen Sie hier: direkt informiert 03/2016, Schwerpunkt: Vertrauen

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