Mut und Angst in der Digitalisierung

Angst und Mut in der Digitalisierung

Angst ist eine natürliche Reaktion

Dr. Reinhard Schmid, Jurist und seit vielen Jahren verantwortlich für IT-Sicherheitsmanagement und Datenschutz, erzählt, wie er mit Risiken umgeht und wofür es im Rahmen der Digitalisierung wirklich Mut braucht.

Dr. Reinhard Schmid (Foto: Dataport)

Dr. Reinhard Schmid (Foto: Dataport)

Herr Dr. Schmid, was bedeutet für Sie persönlich Mut?

Zu seinen Werten und zu seiner Überzeugung auch dann zu stehen, wenn Nachgeben oder Mitschwimmen im Mainstream der bequemere oder lukrativere Weg wäre. Mutig ist nur, wer eigene Risiken eingeht.

Wann fühlten Sie sich zuletzt besonders mutig – privat und im Job?

Wer meint, sich selbst mutig nennen zu müssen, hat ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl oder mindestens einen über den Durst getrunken.

Wodurch zeigt sich Mut und wer ist in Ihren Augen mutig?

Wer sich mit einer Geschäftsidee selbstständig macht und eigenes Kapital riskiert, braucht sicherlich Mut und hat meinen Respekt.

Wann oder wovor haben Sie Angst? Und wie gehen Sie damit um?

Angst ist eine natürliche Reaktion. Man muss zwischen gefühltem und objektivem Risiko unterscheiden. Flugangst ist ein Beispiel: objektiv minimales Risiko und trotzdem fühlen sich viele im Auto sicherer. Also den Verstand einsetzen, denn wenn gefühlte Angst dominiert, kann sie lähmen.

Angesichts der „gefühlt“ immer schneller werdenden Veränderungen, etwa durch Digitalisierung, brauchen Unternehmenslenker Mut, neue Dinge anzupacken und auch mal unbeliebte Entscheidungen zu treffen. Wie machen Sie Ihren Mitarbeitern und Kunden Mut, Veränderungen anzugehen?

Ich unterstelle weder Kunden noch Mitarbeitern Angst als Motiv, Änderungen nicht anzupacken. Skepsis gibt es, aber die ist nicht unberechtigt. Keine Neuerung ist risikofrei. Mit Risiken muss man umgehen, aber dafür muss man sie kennen. Skepsis ist oft Folge von Intransparenz. Hinter Werbetexten für IT-Produkte zu erkennen, was mit Daten passiert, wer auf welche Daten Zugriff hat, wird immer schwieriger.

Wir, Dataport und unsere Kunden, tragen Verantwortung für personenbezogene Daten – nicht unseren eigenen, sondern die der Bürger. Skepsis gegenüber Anbietern, deren Geschäftsmodell erklärtermaßen ist, Mehrwert aus fremden Daten zu generieren, und die ein deutlich anderes Datenschutzverständnis haben, zeigt nicht Fortschrittsfeindlichkeit, sondern Verantwortungsbewusstsein. Da bleibt nur eines: Transparenz der Anbieter einzufordern. Und wenn die Antworten nicht wirklich überzeugen oder Transparenz verweigert wird, dann muss man eben auch mal nein sagen – selbst wenn die Haushälter einen zum Abschluss drängen. Das verlangt dann aber wirklich Mut.

Vielen Dank für das Gespräch.


Dr. Reinhard Schmid
Dr. Reinhard Schmid ist promovierter Rechtswissenschaftler. Er war u. a. für die Landesbank Schleswig-Holstein, die Investitionsbank Schleswig-Holstein und die HSH Nordbank tätig. Aktuell ist er Leiter IT-Sicherheitsmanagement und Revision bei Dataport sowie Datenschutzbeauftragter.


Dieses Interview erschien in der direkt informiert 04/2016. Weitere Artikel aus der Ausgabe lesen Sie hier: direkt informiert 04/2016, Schwerpunkt: Mut