Digitale Transformation CIO

Wie erzielt der CIO die richtige Wirkung, um die digitale Transformation zu meistern? (Teil 3)

Dieser Blogartikel bildet den letzten Teil meiner Reihe zur Rolle des modernen CIOs. Es wird die Frage behandelt, welche Wirkung der CIO erzielen muss, um die digitale Transformation und deren Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Vor allem werde ich mich nun darauf fokussieren, darzulegen welche Wahrnehmung bei dem CEO erzeugt werden sollte.

Ein kurzer Rückblick sei an dieser Stelle erlaubt. Um sich als CIO gerade nicht in die Reihe der „Latest Adopter“ einzureihen, hatte ich in meinem Artikel „Neue digitale Geschäftsmodelle erfinden – haben die CIOs aufgegeben?“ empfohlen:

Der CIO muss, je nach Ausgangssituation unterschiedlich gewichtet, mindestens drei Dinge auf den Weg bringen und aktiv gestalten:

  1. Schließung der Lücke zwischen Operation und Development via DevOps
  2. Etablierung eines Innovationsdenkens innerhalb der IT im Sinne des Geschäftsnutzens
  3. Änderung der Wahrnehmung seiner Tätigkeiten/IT beim CEO

Nur so kann er den Dienst erbringen, welchen das Unternehmen in Zeiten der digitalen Disruption braucht. Nun wird der Punkt 3 dargestellt.

Erwartungshaltungen und stereotype CIO-Rollen

Der CIO ist im Allgemeinen aufgefordert, das Spannungsfeld zwischen gefordertem IT-Wertbeitrag, geringeren IT-Kosten und IT-Komplexität zu meistern. Hierbei findet man oft historisch gewachsene Rollenverständnisse in den Unternehmungen vor. Die an ihn gestellten Erwartungen können stereotyp die in der Abbildung dargestellten vier „Typen“ sein. Die Illustration dient als Denkanstoß, seine Rolle zu reflektieren.

digitale Transformation

Quelle: Sanjiv Singh, direkt gruppe GmbH

Wo würde sich die IT selbst einordnen und wo würden der CEO oder die Fachbereiche die IT einordnen? Die Erfahrung zeigt, dass die Selbstwahrnehmung von IT/CIO oft von der Fremdwahrnehmung durch Fachbereiche und CEO differieren.

digitale Transformation

Quelle: Sanjiv Singh, direkt gruppe GmbH

Wo würden Sie bzw. Ihre IT sich einordnen? Wo stehen Sie heute, wie soll die Wahrnehmung morgen sein?

Änderung der Wahrnehmung – digitale Transformation mitgestalten

Ich möchte mich hier auf einen einzigen Punkt fokussieren, welcher, neben den vielen technokratischen, unternehmensspezifischen Aspekten, Gültigkeit für alle Unternehmen hat: Die Fähigkeit des CIOs, die richtige Gefolgschaft auslösen zu können. Dazu ist häufig ein anderes Führungsverständnis notwendig, als das bisher praktizierte.

Wirkungsvolle Macht wird dem CIO nicht durch die Hierarchie verliehen, sondern durch seine Fähigkeit positive Resonanz zu erzeugen. Seine gezeigten, glaubwürdig kommunizierten und verstandenen Ambitionen sind hier ausschlaggebend.

Der CIO, welcher die digitale Transformation mitgestaltet bzw. vordenkt, wird weniger als Technologe wahrgenommen, sondern als ein leidenschaftlicher, aber geerdeter Visionär. Er versteht und wertschätzt die Menschen, die für die IT arbeiten. Oft herrscht, gerade in der „IT-Ecke“, noch die Vorstellung, jemand könnte mit einer „Faust auf den Tisch hauen“, eben durchregieren. Und schon hätte man das gewünschte Ergebnis. In dem Augenblick, in dem man dies liest klingt das oft banal. Ist es aber nicht. Sobald man wieder in seinen Kontext und sein Unternehmen eintaucht, wird dies erkannt. Meist herrscht im Management die Wahrnehmung, dass man so einflussreich ist, weil man so durchsetzungsstark, erfolgreich, intelligent, unternehmerisch oder einfach der oben an der „Spitze“ ist. Menschen folgen aber nicht Menschen, weil diese erfolgreich und mächtig sind oder die richtigen Statussymbole haben.

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Es wird sich demjenigen angeschlossen, welcher mit individuellen, glaubwürdigen Motiven und resonanzfähigen Ambitionen agiert. Es ist die glaubwürdige und absolut positive, individuell verkörperte Vision, die Gefolgschaft erzeugt.

Mit Ambitionen positive Resonanz erzeugen

Damit dies gelingt, muss eine starke Resonanz erzeugt werden. Einige Leser werden jetzt denken: „Zu esoterisch und bitte keine Basisdemokratie“. Diese Annahmen treffen aber nicht zu. Das Dargestellte ist äußerst pragmatisch und notwendig, um die Wahrnehmung als IT/CIO zu ändern. Aber wie funktioniert dies nun konkret? Wie erzeugt man mit Ambitionen positive Resonanz und erhält Gefolgschaft? Ich möchte versuchen, dies anhand von vier Grundprinzipien darzustellen.

  1. Die Tragweite und Bedeutsamkeit der eigenen positiven Vision und Ambition artikulieren (können)
    Und dies mit aller Klarheit, ohne Banalitäten und stets positiv. Wie oft wird die eigene Ambition als Kritik oder gegen etwas als „Kampf“ formuliert. „Die Personalabteilung muss besseres Personal einstellen“; „Einzelne Personen können dies oder jenes nicht“; „Fachabteilungen müssen verstehen“; „Der Kunde ist hier noch nicht so weit“
  2. Zur positiven Vision und Ambition einladen
    Es wird angestrebt, eine positive Resonanz auszulösen. Immer. Keine Rechthaberei, Rechtfertigungen, kein „gegen“ etwas Kämpfen, keine Kritik, kein Diktat. Es wird eingeladen, mit eigenen Wünschen, positiven Vorstellungen, individuellen Ambitionen mit Klarheit und eigener Verletzlichkeit.
    Aufmerksamkeit Schenken, Einladen, Zusammenbringen, Vertrauen Schenken, Empfehlen und mit dem festen Paradigma, dass alle Personen alle Mittel und Kräfte haben, um mitzumachen. Redundant und in jedem Alltag kommuniziert und gelebt, wie auch auf dem „großen“ Get-together.
  3. Die Dinge sind immer so, wie sie sind!
    Mehrdeutige oder das Wegbleiben von Resonanzen akzeptieren, nicht (an-)klagen, keine(n) Schuldige(n) suchen, sondern sich fragen: Was will ich, dass nun geschehen soll? Und handeln im Sinne der Vision und Ambition.
  4. Hohe Affinität zur ausschlaggebenden Gemeinschaft
    Top Management und Keyplayer mit den vorherigen gelebten Prinzipien einnehmen und begeistern. Auf der gleichen Augenhöhe agieren wollen und sich verstehen wollen. Nicht herabschauen.

Macht braucht Gefolgschaft

Banal? Schauen wir in den Spiegel und betrachten uns und unsere Unternehmungen ehrlich. Ist zum Beispiel Rechthaberei nicht ein häufiges Symptom, das uns von dem Weg zu unseren Visionen, Ambitionen ablenkt? Suchen wir Schuldige oder eine Lösung, glauben wir tatsächlich an die Fähigkeiten all unserer Mitarbeiter?

Um Macht zu haben, brauchen wir Gefolgschaft, welche wir (insbesondere) in der digitalen Transformation nur über (freiwillige) Resonanz erzeugen können. Dazu müssen wir glaubhaft unsere individuelle Ambition positiv vermitteln. Dann können wir in der IT auch die digitale Transformation (mit-) gestalten, bevor diese uns überrollt.

Lesen Sie außerdem:

Teil 1: Neue digitale Geschäftsmodelle erfinden – haben die CIOs aufgegeben?

Teil 2: Verfügt Ihre IT und Ihr CIO über die richtige und ausreichende Innovationsfähigkeit?

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