Chancen agil nutzen

SAP-Standardsoftware nutzen und trotzdem agil arbeiten – geht das? Wie die beiden vermeintlich unterschiedlichen Welten zusammenpassen, erklärt Bijan Panahi-Nik, Business Consultant bei business solutions direkt, der SAP-Projekte als Scrum-Master begleitet.

 

Agile Projektarbeit ist in. Allerdings klingt Agilität bei der Einführung von integrierten Produkten wie etwa SAP wie ein Widerspruch.

Mit diesen Vorurteilen haben wir es in Projekten häufig zu tun. Grundsätzlich hat Agilität nicht viel mit den Systemen zu tun, sondern mit der Komplexität und Innovationsfreude der Projekte.

Wie meinen Sie das?

Das gesamte Umfeld bei Projekten, die Anforderungen der Fachbereiche, die Geschäftsstrategien und auch Produkte, die Unternehmen einsetzen, verhalten sich dynamisch, sie ändern sich rasend schnell. Und dieses Momentum möchte und kann man bei einer agilen Vorgehensweise nutzen. Beispielsweise sind Funktionen, die es heute in der SAP-Cloud-Plattform nicht gibt, morgen mit dem nächsten Patch verfügbar. Zum Projektstart ist überhaupt nicht absehbar, wie sich eingesetzte Tools weiterentwickeln.

Man kauft ungern die Katze im Sack. Entscheidend ist, nicht auf Fach- und DV-Konzepten zu beharren, sondern sie in sinnvolle Pakete zu zerlegen.

Wenn man hier strikt nach klassischem Lastenheft und Wasserfallmethode arbeitet und sich erst sechs oder zwölf Monate nach dem Projektstart wieder zusammensetzt, kann man von den laufenden Innovationen der Systeme überhaupt nicht profitieren. Im schlimmsten Fall arbeitet man an den Wünschen der Anwenderinnen und Anwender vorbei.

Dennoch existieren in vielen Projekten Pflichtenhefte oder Fachkonzepte – ganz ohne geht es anscheinend nicht.

Eine umfangreiche Leistungsbeschreibung entspricht nicht 100-prozentig der agilen Lehre, jedoch der Realität gerade in größeren Unternehmen und Konzernen. Man kauft ungern die Katze im Sack. Entscheidend ist, nicht auf Fach- und DV-Konzepten zu beharren, sondern sie in sinnvolle Pakete zu zerlegen, die sich dann mit agilen Methoden wie Scrum bearbeiten lassen. Häufig ist es ja auch so, dass Fachkonzepte nicht viel mehr sind als eine grobe Schätzung mit rudimentärer Beschreibung. Die Realität sieht dann häufig anders aus: Zusätzliche Themen kommen auf den Tisch, geplante Logiken und Algorithmen werden komplexer, als zunächst angenommen, und die Anforderungen und Erwartungen des Nutzerkreises ändern sich. Soll man diese Funktionen nicht realisieren, obwohl sie für den User elementar sind, nur weil man im Pflichtenheft die Komplexität unterschätzt hat?

Für Einkauf und Controlling sind Pflichtenhefte eine elementare Bezugsgröße. Das, was dort steht, wird bestellt und ist Vertragsbestandteil.

Das ist richtig. Aber Agilität bezieht alle Unternehmensbereiche und Funktionen ein. Alle sind gefordert und müssen umlernen. Denn, noch einmal: Umfangreiche, detaillierte Konzepte sind heute zu starr. Entscheidend für den Erfolg ist, Transparenz zu schaffen, sodass man zu jedem Zeitpunkt den Projektfortschritt nachweisen kann. Das schafft Vertrauen, auch im Einkauf und beim Controlling.

Es braucht ein kooperatives Miteinander; wenn die Kommunikation im Team sehr formell bleibt, ist Agilität schwierig zu leben.

Wir nutzen dazu beispielsweise das Tracking-Tool Jira. Gleichzeitig stellen wir sicher und kommunizieren ganz offen, dass das Unternehmen für das veranschlagte Budget ein Produkt bekommt, das seinen Wünschen entspricht, aber unter Umständen nicht vollumfänglich den Anforderungen aus dem Pflichtenheft.

Eine wichtige Rolle kommt bei agilen Entwicklungen dem Product Owner zu. Sie oder er ist die Schnittstelle zwischen Entwicklung und Fachbereichen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Der Product Owner sorgt dafür, dass die Anwendergruppe das bekommt, was sie benötigt. Dabei fungiert sie oder er grundsätzlich als Sparringsperson zwischen dem Entwicklerteam auf der IT-Seite und den Fachfunktionen. Auf der einen Seite gibt sie oder er den IT-Mitarbeitenden Anweisungen, auf der anderen Seite verifiziert sie oder er die Anforderungen der Anwendenden und moderiert, um die nächsten Schritte zu priorisieren. Der Product Owner trägt dazu bei, dass sich die agile Denkweise durchsetzt. Dazu gehört, so sieht es Scrum vor, sich zeitnah und regelmäßig mit den Beteiligten auszutauschen. Es braucht ein kooperatives Miteinander; wenn die Kommunikation im Team sehr formell bleibt, ist Agilität schwierig zu leben.

Worin liegen die größten Vorteile agiler Methoden wie Scrum?

Beschreibung Top 3 Gründe für agile Methoden

Scrum nutzt die Innovationsgeschwindigkeit von Technologien und liefert kontinuierlich in kurzen Intervallen Produkte. Dadurch lassen sich Fehlentwicklungen, die an den Kundenwünschen vorbeigehen, vermeiden. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man der Kundenseite zusichert, die Funktionen, die ihr einen direkten Nutzen bringen, mit hoher Priorität zu entwickeln. Man erfüllt die Kundenbedürfnisse besser, Kundenanforderungen werden wertgeschätzt.

 


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Dieser Artikel erschien in der direkt informiert 01/2019. Weitere Artikel aus der Ausgabe lesen Sie hier: blog.direkt-gruppe.de/direkt-informiert/tatkraft/

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