Agile Selbststeuerung

Vorgesetzte werden zu Dienstleistenden

Agilität ist keine Frage der Methoden und Tools, sondern vielmehr des Mindsets. Was das konkret bedeutet und wie dieses etabliert werden kann, erklärt Jaroslav Bláha, Geschäftsführer und Agilitätsexperte der Xenadi GmbH.


Zur Person: Jaroslav Bláha ist seit über 25 Jah- ren im Management internationaler IT-Organisationen aktiv: als NATO Chief Architect (Brüssel), Chief System Design für ThalesRaytheon (Paris), Inhaber einer Beratung (Düsseldorf), globaler Programm- leiter für DB Schenker, CIO des Schweizer Stromnetzes, globaler CIO/CTO der Solera Holding (Dallas) und aktuell als CEO/Mit-Gründer der CellmatiQ GmbH, eines Start- ups für die Analyse medizinischer Bilddaten mithilfe künstlicher Intelligenz.

Zur Person: Jaroslav Bláha ist seit über 25 Jahren im Management internationaler IT-Organisationen aktiv: als NATO Chief Architect (Brüssel), Chief System Design für ThalesRaytheon (Paris), Inhaber einer Beratung (Düsseldorf), globaler Programmleiter für DB Schenker, CIO des Schweizer Stromnetzes, globaler CIO/CTO der Solera Holding (Dallas) und aktuell als CEO/Mitgründer der CellmatiQ GmbH, eines Start- ups für die Analyse medizinischer Bilddaten mithilfe künstlicher Intelligenz.

Herr Bláha, was bedeutet für Sie „Agilität“?
Agilität im Sinne des „Agile Manifesto“ (2001) erfordert, dass man adaptiv mit den jeweils sinnvollsten Methoden zum Wohle von Mitarbeitenden, Kundschaft und Produkten arbeitet. Mentale Flexibilität verhindert es, starr an etablierten Tools oder Verfahren zu kleben. Stattdessen hinterfragen alle Beteiligten regelmäßig, ob ihr Vorgehen dem jeweiligen Problem angemessen ist – und justieren nach.

Sie haben in Ihrem Unternehmen hierarchische Strukturen durch flache Strukturen ersetzt. Warum?
Hierarchische Strukturen sind häufig nur Kontrollmittel für ängstliche Vorgesetzte. Informationsverluste, träge Entscheidungen und demotivierende Machtverschiebung weg von den Expertinnen und Experten sind negative Folgen. Die Definition von „Missions“, die durch qualifizierte und motivierte Personen selbstständig gelöst werden sollen, ist viel effizienter und bereichernder.

Was wurde dadurch besser, was anders?
Die Motivation und Fluktuation wurden schlagartig besser, und die Kommunikation zwischen vormals abgegrenzten Gruppen explodierte geradezu.

Welchen Nutzen hat die intensive Kommunikation für Unternehmen?
Die kooperative Lösung von Problemen rückt in den Fokus, anstatt nur ITIL-Tickets für eine andere Abteilung „über den Zaun zu werfen“. Lösungsgeschwindigkeit und -qualität werden deutlich erhöht.

Sie fordern anstelle einer hierarchischen eine horizontale, demokratisierte Kontrolle, wie funktioniert sie?
Primär steuern sich die Menschen selbst. Sie bekommen „Missionen“ zugeteilt, holen sich ihre Arbeitspakete mit dem Kanban-Prinzip nach Kapazität und Qualifikation und sind bestrebt, untereinander fachlich respektiert zu werden. Ex-Vorgesetzte werden zu Dienstleisterinnen und Dienstleistern für die Bereitstellung von Ressourcen.

Was benötigen Führungskräfte, um den neuen Strukturen und Arbeitsweisen zu trauen und Menschen selbstverantwortlich handeln zu lassen?

Gesundes Selbstvertrauen, um zu verstehen, dass qualifizierte Menschen mit einer gut definierten Mission aus eigenem Interesse einen tollen Job machen werden.

Und was müssen Beschäftigte dafür lernen oder verändern?
Selbstverantwortung und die Erwartung, dass man zum Wohle der Mission selbst entscheiden und kommunizieren kann – muss! –, sind anfangs beängstigend. Das legt sich schnell.

Was war für Sie der Schlüssel, um ein agiles Mindset im Unternehmen zu etablieren?
Ich habe nur wenige Parameter für die zukünftige Organisation gesetzt. Die gesamte Belegschaft hat – de facto als erste Mission – in Workshops ihr Umfeld autark definiert. Als wir das Ergebnis übernommen, kommuniziert und umgesetzt haben, wussten sie, dass wir sie ernst nehmen.

Dieser Artikel erschien in der direkt informiert 03/2018. Weitere Artikel aus der Ausgabe lesen Sie hier: https://blog.direkt-gruppe.de/direkt-informiert/haltung/